Fotos von Via della costituzione

Die Officine Meccaniche Reggiane haben die technologische und industrielle Entwicklung erlebt; allerdings nicht nur die, die sich in der Gegend von Reggio, sondern auch in ganz Italien vollzogen hat. Die Officine Meccaniche Reggiane sind Geschichte und Fortschritt, Arbeit und Gewerkschaftskämpfe gewesen. Sie sind ein unvergesslicher Teil der industriellen, zivilen und gewerkschaftlichen Geschichte Italiens vom Anfang des 1900 bis in die Jahre 2000er, als die Produktion definitiv eingestellt wurde. Ein riesiger Bereich mit 250.000 Quadratmetern mit enormen Fabrikhallen stellt die Etappen der italienischen Geschichte dar.

Die Officine Meccaniche Reggiane sind im Jahr 1901 von dem Ing. Righi als Maschinenfabrik und Gießerei gegründet worden. Die Produktion dieses internationalen Kolosses konzentrierte sich auf die Produktion von Eisenbahnwagen und Geschossen.
Während des Ersten Weltkriegs kam der Produktion für militärische Zwecke mehr Bedeutung zu und die Officine Reggiane wurden in einen großen Auftrag von Doppeldeckern miteinbezogen, der allerdings niemals zum Abschluss gebracht wurde. Vielleicht wurde nur einer der Doppeldecker des Auftrags zum Fliegen gebracht. Die Geschichte dieses Industriezentrums erlebte auch die Krise zwischen den zwei Kriegen, den Kauf von Investoren, den Beitrag der IRI („Istituto per la Ricostruzione industriale“, Anstalt zum industriellen Wiederaufbau) zur Rettung des Unternehmens sowie Besetzungen der Werke durch die Arbeiter, um gegen die Massenentlassung von 2100 Personen zu protestieren. Auch Umstellungen und die Entwicklung im Luftfahrtbereich, die die Officine Reggiane zum Abschluss eines Vertrags mit Ungarn für die Lieferung von 70 Flugzeugen gebracht hat, sind Teil seiner Geschichte. Interesse für das letzte in den Officine Reggiane entstandene Produkt wurde auch von England, Schweden, Jugoslawien und Spanien bekundet, aber aufgrund des Kriegseintritts wurden die Bestellungen niemals formalisiert.

Das Unternehmen beschäftigte bis zu 12000 Personen und war somit ein regelrechter Industriekoloss, der in den 50er Jahren den größten Arbeiterprotest erlebt hat. Die Besetzung von Seiten der Arbeiter dauerte ein Jahr, aber während der Besetzung arbeiteten sie unentgeltlich weiter und bauten einen Traktor, um zu zeigen, dass die Fabrik weiterhin existieren und Personal beschäftigen konnte. Die Produktion sollte sich auf den landwirtschaftlichen Bereich umstellen.

Im Jahr 2009 wurde die Produktion definitiv eingestellt, seitdem ist die Fabrikhalle 19 im Gebrauch der Gemeinde von Reggio Emilia, die ein Technologiezentrum geschaffen hat.

Die Restaurierung der Fabrikhalle 19 war Teil des Projekts zur Wiederaufwertung des Nordbereichs der Stadt. Die Errichtung des „Parks des Wissens, der Innovation und der Kreativität”, der auch die anderen still gelegten Fabrikhallen miteinbeziehen wird, ist vorgesehen.
Heute sind in dem Technologiezentrum der Officine Reggiane, auch Technopol, genannt, die Forschungslabors der Universitäten von Modena und Reggio Emilia untergebracht und geben 90 Forschern Arbeit. Hier finden die meisten Events von Reggio statt, die der Innovation gewidmet sind.
Alle Fabrikhallen, die noch nicht umgestellt wurden, sind zu einer Galerie unter freiem Himmel geworden. Dank einiger der einflussreichsten, italienischen Graffiti-Künstler wurden international renommierte Künstler miteinbezogen, um aus dem ungenutzten Industriegebiet eine Galerie mit mehr als 1000 Werken zu machen.